ChatGPT führt weltweit virtuelle Anprobe mit Images 2.5 und einer Favoritenbibliothek ein

Zusammenfassung der Neuigkeiten
OpenAI hat ChatGPT um eine Funktion zur virtuellen Anprobe erweitert, mit der Nutzer durch das Hochladen eines Selfies und eines Ganzkörperfotos sehen können, wie Kleidung und Accessoires an ihnen aussehen könnten. Das Unternehmen kündigte den weltweiten Start am 1. Oktober 2026 (US-Ostküstenzeit) an, zusammen mit einer zweiten Shopping-Funktion, über die sich beliebte Produkte in einer persönlichen Bibliothek speichern lassen. Beide Werkzeuge basieren auf ChatGPT Images 2.5, dem neuesten Bildmodell von OpenAI, und bringen den Chatbot weiter in den Bereich der Modeinspiration – ein Feld, das lange von Suchmaschinen und visuellen Plattformen geprägt war.
So funktioniert die Funktion
Wenn ChatGPT während eines Einkaufsgesprächs Kleidungsstücke vorschlägt, erscheint beim jeweiligen Produkt eine Schaltfläche „Anprobieren“. Ein Tipp darauf fordert den Nutzer auf, ein Selfie und ein Ganzkörperfoto bereitzustellen, die das System als Referenz nutzt, um ein Bild der Person in dem entsprechenden Kleidungsstück zu erzeugen. Erstanwender können ein neues Foto aufnehmen oder eines aus ihrer Galerie auswählen.
Die Funktion beschränkt sich nicht nur auf Produkte, die ChatGPT im Chat anzeigt. Nutzer können auch einen Screenshot von Kleidung hochladen, die sie anderswo gefunden haben – etwa in einem Social-Media-Beitrag oder auf der Seite eines Händlers – und daraus ein Anprobe-Bild generieren lassen. ChatGPT kann zudem dabei helfen, ein Outfit zu vervollständigen oder nach ähnlichen Produkten zu suchen, wenn einem Nutzer ein bestimmter Look gefällt. Berichten zum Start zufolge kann der Chatbot sogar dabei helfen, Kleidungsstücke von Personen des öffentlichen Lebens zu identifizieren, die käuflich erhältlich sind.
Die Technologie dahinter
Die Shopping-Werkzeuge nutzen ChatGPT Images 2.5, das laut Engadget im September 2026 veröffentlicht wurde. OpenAI erklärt, dass das Modell natürlichere Beleuchtung und detailreichere Texturen erzeugt, Bearbeitungsbefehle zuverlässiger befolgt und die Latenz bei der Bildgenerierung verringert. Diese Eigenschaften sind für die virtuelle Anprobe entscheidend, denn glaubwürdige Schatten, Stoffstrukturen und schnelle Ergebnisse bestimmen darüber, ob die Ausgabe als nützlich empfunden wird.
Technisch betrachtet ist die virtuelle Anprobe ein Problem der bedingten Bildgenerierung. Das Modell muss Gesicht, Körperform und Pose der Person konsistent halten, während es Kleidungsstücke austauscht oder hinzufügt, und es muss Faltenwurf sowie Beleuchtung der Kleidung an den neuen Körper anpassen. Eine bessere Befehlsbefolgung hilft Nutzern dabei, Ergebnisse durch Folgeanfragen zu verfeinern – etwa indem sie eine Farbe ändern oder eine Jacke mit einer anderen Hose kombinieren.
Produkte und Referenzfotos speichern
Die zweite Funktion ermöglicht es Nutzern, entdeckte Produkte in einem Bibliotheks- oder Favoritenbereich der App zu speichern, um später darauf zurückzugreifen. ChatGPT kann außerdem hochgeladene Referenzfotos ablegen, sodass Nutzer nicht für jede neue Anprobe dieselben Bilder erneut übermitteln müssen. Android Authority berichtet, dass diese Referenzfotos über die Einstellungen, dann Personalisierung und schließlich Referenzfotos gelöscht werden können.
Verfügbarkeit
OpenAI bezeichnete die Einführung als global. Android Authority berichtete, dass die Funktion am 2. Oktober 2026 für Nutzer in Kanada sowohl mobil als auch im Web verfügbar war, und TechCrunch beschreibt den Start ebenfalls als weltweit. In dem Bericht von TechCrunch wurden keine konkreten Handelspartner genannt.
Datenschutz und Genauigkeit
Fotos des eigenen Körpers sind sensible personenbezogene Daten. Engadget weist darauf hin, dass Bilder aus persönlichen Konten standardmäßig zur Verbesserung der Modelle von OpenAI verwendet werden können, sofern Nutzer dem nicht widersprechen. Wer seine Fotos aus dem Training heraushalten möchte, sollte daher vor dem Hochladen die Datenschutzeinstellungen überprüfen.
Was die Genauigkeit betrifft: Ein generiertes Bild kann zeigen, wie eine Farbe oder ein Stil an jemandem wirkt, aber es kann weder Passform, Stofffall noch Größe bestätigen – also genau jene Faktoren, die am häufigsten zu Retouren führen. OpenAI empfiehlt daher, vor einem Kauf die Maßangaben des Händlers, die Produktdetails und die Rückgabebedingungen zu prüfen.
Einordnung in den E-Commerce-Markt
Google hatte bereits im Juli 2025 eine vergleichbare Funktion zur virtuellen Anprobe eingeführt; OpenAI greift damit also eine etablierte Idee auf, statt eine völlig neue zu erfinden. TechCrunch sieht in dem Update den Versuch, ChatGPT gegenüber Pinterest und Google im Bereich der Modeinspiration zu positionieren. Es folgt zudem auf die Einstellung einer wenig erfolgreichen Sofort-Kauf-Funktion durch OpenAI sowie auf Experimente des Unternehmens mit Werbung für Händler direkt im Chat. Die neuen Werkzeuge deuten auf einen Strategiewechsel hin: Der Fokus liegt nun darauf, Menschen beim Stöbern und Entscheiden innerhalb des Chats zu helfen, statt den Kauf selbst abzuwickeln.
Warum das wichtig ist
Für Verbraucher kann die Visualisierung das Rätselraten beim Online-Kleidungseinkauf verringern. Für den KI-Bereich zeigt die Einführung, dass Bildgenerierungsmodelle den Schritt von der kreativen Spielerei zum praktischen Alltagsnutzen vollziehen. Wie gut die Funktion mit unterschiedlichen Körpertypen, Lichtverhältnissen und Kleidungsstilen umgeht, wird darüber entscheiden, wie sehr Nutzer ihr bei echten Kaufentscheidungen vertrauen.
Quellen
Dieser Bericht stützt sich auf Beiträge von TechCrunch (1. Oktober 2026), Engadget und Android Authority (2. Oktober 2026), deren Angaben untereinander abgeglichen wurden.