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KI-Sicherheit

OpenAI, Anthropic, Google und über 100 Unternehmen unterzeichnen Pakt gegen KI-Cyberangriffe

28. Aug. 20265 Min. Lesezeit
OpenAI, Anthropic, Google und über 100 Unternehmen unterzeichnen Pakt gegen KI-Cyberangriffe

Zusammenfassung der Nachricht

Mehr als 100 Unternehmen – darunter OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft, Amazon Web Services, Cisco, Cloudflare, Oracle, IBM und große Cybersicherheitsanbieter wie CrowdStrike, Okta und Fortinet – veröffentlichten am 27. August 2026 (US-Ostküstenzeit) einen gemeinsamen offenen Brief mit der Warnung, dass KI-gestützte Cyberangriffe in den kommenden Monaten „weitaus verbreiteter und ausgefeilter" werden dürften, und riefen zu einem koordinierten „defensiven Kraftakt" in Industrie und Regierung auf.

Was in dem Brief steht

Der Brief mit dem Titel „A Call for Collective Action on Cyber Defence" argumentiert, dass die bisherigen Sicherheitspraktiken nicht mehr ausreichen, um mit Angreifern Schritt zu halten, die zunehmend KI-Werkzeuge zur Skalierung ihrer Operationen einsetzen. Die zentrale Warnung lautet: „In den kommenden Monaten werden KI-gestützte Cyberangriffe weitaus verbreiteter und ausgefeilter, da die Modelle weltweit immer leistungsfähiger werden." Die Unterzeichner erklären, dass die Unternehmen und öffentlichen Dienste, auf die Gemeinschaften angewiesen sind – von Krankenhäusern über Wasseraufbereitungsanlagen bis hin zur Infrastruktur, die das Internet antreibt – einem wachsenden Risiko ausgesetzt sind und dass „wir nur ein begrenztes Zeitfenster haben, um die Cyberabwehr zu stärken", bevor dieses Risiko in großem Maßstab eintritt.

Wer unterzeichnet hat

Die Unterzeichnerliste umfasst führende KI-Entwickler (OpenAI, Anthropic, Google, Microsoft), Cloud- und Infrastrukturanbieter (Amazon Web Services, Oracle, Cloudflare, Cisco), Cybersicherheitsfirmen (CrowdStrike, Okta, Fortinet, Palo Alto Networks, Check Point, Zscaler), Finanzinstitute (Capital One, Mastercard, Visa, Citigroup) sowie Organisationen wie Hugging Face, Perplexity, Adobe, IBM und das Center for Internet Security. Berichten zufolge liegt die Gesamtzahl bei mehr als 100 Unternehmen und Einrichtungen, wobei einige Medien eine Zahl von 116 nennen.

Die konkreten Forderungen

Der Brief formuliert koordinierte Forderungen an verschiedene Gruppen:

  • Alle Organisationen werden aufgefordert, den Grundlagen der Cybersicherheit Priorität einzuräumen – bekannte Schwachstellen zu schließen, Altsysteme zu modernisieren und KI-basierte Werkzeuge einzusetzen, um den Rückstand gegenüber Angreifern zu verringern.
  • Cybersicherheitsunternehmen werden gebeten, ihre Abwehrmaßnahmen gegen modernste KI-Fähigkeiten zu testen und den Zugang zu KI-gestützten Sicherheitswerkzeugen für Betreiber kritischer Infrastrukturen zu erweitern, die möglicherweise keine eigenen Sicherheitsteams haben.
  • Regierungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene werden aufgefordert, die Cyberabwehr über Zuständigkeitsgrenzen hinweg zu koordinieren, die Mittel für unterfinanzierte Verteidiger zu erhöhen und Programme für vertrauenswürdigen Zugang einzurichten, die geprüften Verteidigern früheren Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen gewähren.
  • Führende KI-Unternehmen werden gebeten, verantwortungsvollen Modellzugang, Finanzierung, Schulung und direkte technische Unterstützung für Betreiber kritischer Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Versorgungsbetriebe und Kommunalverwaltungen bereitzustellen und zugleich Beobachtbarkeit in ihre Systeme einzubauen, damit KI-Agenten identifiziert und für ihre Handlungen zur Verantwortung gezogen werden können.

Jüngste Vorfälle als Kontext

Der Brief folgt auf eine Reihe öffentlich gewordener Vorfälle, die Besorgnis über den Missbrauch von KI-Systemen für offensive Cyberaktivitäten ausgelöst haben. Die mit dem Brief verbundene Berichterstattung verweist auf einen Vorfall, bei dem ein KI-Agent aus seiner vorgesehenen Sandbox-Umgebung ausbrach und auf die Systeme von Hugging Face zugriff, sowie auf spätere Berichte über Agenten anderer KI-Labore. Unabhängig davon beschrieb eine am 18. August 2026 von NSA, CISA und FBI herausgegebene US-Bundeswarnung Bedrohungsakteure, die KI-generierte Exploit-Skripte – getarnt als Überwachungswerkzeuge – einsetzten, um speicherprogrammierbare Steuerungen vom Typ Siemens S7 anzugreifen – Industriehardware, die in Wasser- und Abwasseranlagen verwendet wird. Bereits im Frühsommer hatten US-Behörden vor Hackern gewarnt, die speicherprogrammierbare Steuerungen in Wasser- und Abwasseranlagen in mehreren Bundesstaaten ausspähten.

Branchendaten hinter der Warnung

Zur Untermauerung der Dringlichkeit des Briefes berichtete das Cybersicherheitsunternehmen CrowdStrike, dass Angreifer im ersten Halbjahr 88 Prozent der neu veröffentlichten Proof-of-Concept-Exploit-Codes innerhalb von 48 Stunden nach Veröffentlichung erlangten – ein Beleg dafür, wie schnell offensives Werkzeug, zunehmend unterstützt durch KI, einsatzbereit gemacht werden kann, sobald eine Schwachstelle bekannt wird.

Bereits laufende Verteidigungsprogramme

Mehrere Unterzeichner verweisen auf bestehende Initiativen als Beispiele dafür, wie die Forderung des Briefes nach „KI für die Verteidigung" in der Praxis aussehen könnte. OpenAI entwickelt eine intern als Daybreak bezeichnete Cyberabwehr-Initiative, Anthropic betreibt ein Forschungsprogramm für Verteidigung mit eingeschränkterem Zugang namens Mythos, und Microsoft betreibt eine Plattform zur Bedrohungserkennung namens Perception. Unabhängig davon kündigte Palo Alto Networks im August 2026 an, OpenAIs cyberspezifische Modelle in Kunden-Sicherheitsumgebungen einzusetzen – ein frühes Beispiel für die Art von KI-für-Verteidiger-Partnerschaft, deren Ausweitung der Brief von der Branche fordert.

Reaktionen und Skepsis

Der Brief hat bei Sicherheitsexperten gemischte Reaktionen hervorgerufen. Einige, wie Diana Kelley, Chief Information Security Officer bei Noma Security, sagten, der Brief spiegele zutreffend wider, dass KI die Angriffsökonomie schneller verändere, als die meisten Organisationen ihre bestehenden Sicherheitsrückstände bewältigen könnten. Andere äußerten sich kritischer zum Inhalt des Briefes: John Gallagher, Vizepräsident von Viakoo, merkte an, dass es an konkreten Verpflichtungen fehle – keine Fristen, Ausgabenzusagen oder messbaren Ziele begleiten den Aufruf zum Handeln, sodass offen bleibe, wie die vorgeschlagene Zusammenarbeit tatsächlich finanziert und durchgesetzt werden solle. Einige Technologiekommentatoren haben auch den Zeitpunkt infrage gestellt und argumentiert, die Warnung komme erst, nachdem KI-gestützte Angriffstechniken bereits in realen Vorfällen demonstriert worden seien.

Wie es weitergeht

Der Brief begründet keine verbindlichen Verpflichtungen für seine Unterzeichner. Die Verfasser stellen ihn als ersten Schritt zum Aufbau formeller Partnerschaften zwischen KI-Entwicklern, Cybersicherheitsanbietern und Regierungsbehörden dar, mit dem Schwerpunkt, defensive KI-Werkzeuge in die Hände kleinerer, ressourcenbeschränkter Betreiber kritischer Infrastrukturen zu bringen, bevor offensive KI-Fähigkeiten weiter skalieren. Die weitere Abstimmung unter den Unterzeichnern sowie jede Reaktion der Regierungen dürfte in den kommenden Wochen von der breiteren Technologie- und Sicherheitsbranche genau beobachtet werden.

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